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STICHWORT Graue Literatur

Bunte Perlen im Schatzkästchen:
Stichwort Graue Literatur

Margit Hauser in:
STICHWORT Newsletter 4/1997

Graue Literatur, das sind unveröffentlichte Schriften aller Art: z.B. Broschüren, Hochschularbeiten, Typoskripte...

STICHWORT verfügt in der Bibliothek über einen relativ großen Anteil grauer Literatur. Vieles davon befindet sich in dem ominösen grauen Stahlschrank im Leseraum. Dort macht es zwar optisch nicht viel her - Graue Literatur, so öd manch einer der Name klingen mag, das sind aber, besonders langfristig, sehr wertvolle Quellen.

Sie sind rar, nirgends vorhanden, dokumentarisch oft unerschlossen. Es gibt sie nicht zu kaufen, nicht mehr nachzubestellen, oder die Herausgeberin, z. B. eine Frauengruppe, existiert nicht mehr. Freilich sind diese Quellen manchmal etwas sperrig: Herkunft, Ort, Jahr - Zitierbares eben - sind nicht immer offenkundig: o.O., o.J., Quelle unbekannt, Vermutetes-Jahr-in-Klammer-Fragezeichen, heißt es dann...

Aber machen wir doch einmal den so genannten Hängeschrank auf: Da gibt es frühe Manifeste, Programme, Arbeitspapiere, die die Bewegung an ihrem Wendepunkt von interner Reflexion zur öffentlichen Arbeit dokumentieren; weiters Projektberichte, offizielle Ergebnisprotokolle österreichischer Frauenkonferenzen, diverse UN-Berichte zur Lage der Frauen, Informationsbroschüren aus der Frauenbewegung wie auch von in- und ausländischen Institutionen.

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Nehmen wir noch die Hochschulschriften. Sie sind ein Beispiel für den Knotenpunkt, den die Graue Literatur zwischen unserem Archiv und der Bibliothek darstellt, denn sie dokumentieren zum einen die Ergebnisse der Frauenforschung in Österreich, zum anderen stellen sie Quellen für neue Forschungen dar. STICHWORT sammelt praktisch seit Beginn der Frauenforschung an der Universität Wien frauenspezifische Diplomarbeiten und Dissertationen, aber auch interessante Seminararbeiten. Ihre fachliche Orientierung an den Sozial- und Geisteswissenschaften spiegelt Stand und Möglichkeiten der Frauenforschung an österreichischen und besonders an Wiener Universitätsinstituten wider. Die Sammlung erhebt trotzdem bei weitem keinen Anspruch auf Vollständigkeit, da bis jetzt die Kapazitäten für systematische Kontaktnahme zu den Verfasserinnen und für großzügige Ankäufe fehlten. So freuen wir uns immer über Belegexemplare, die uns zur Verfügung gestellt werden!

Vereinzelt gibt es dann noch sozusagen "ganz graue" Quellen: ordnerweise Forschungsunterlagen zu bestimmten Themen, in jahrelanger Kleinarbeit zusammengetragen, schließlich verstaubt und - gerettet. Ein Geschäft für Wühlmäuse.

Übrigens: Die Graue Literatur ist, wie jede Monographie, in unserer Datenbank bzw. im Katalog nach AutorInnen, Titel und Themen erfasst und ihr bekommt sie bei der Literaturrecherche daher automatisch mit auf den Tisch!

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