Birge Krondorfer, Irmtraud Voglmayr (Hg.): Krieg und Friedensbewegung:
Feministische Perspektiven. Wien: Mandelbaum 2025,
210 Seiten, € 23,00.
Gelesen von Gitti Geiger
Das hochaktuelle Buch basiert auf einem Symposium von
Frauenhetz und WILPF Austria im Frühjahr 2023, setzt sich interdisziplinär mit Geschlechterverhältnissen, Krieg und Militarisierung
sowie Feminismus und Pazifismus auseinander
und versammelt eine Vielfalt an Themen, Haltungen und Involviertheiten.
Der Abschnitt „Historische Bezüge“ folgt Entwicklungen
feministischer Friedensbewegungen – von Bertha von Suttner
über die Women’s International League for Peace and
Freedom (WILPF) in der Zwischenkriegszeit und die Westdeutsche
Frauenfriedensbewegung im Kalten Krieg bis zur
(Neu)Gründung von WILPF Austria 2021 – und macht Gemeinsamkeiten
der Problemlagen und Forderungen sowie
kontextbezogene Adaptionen deutlich.
Unter „Aktuelle Bezüge“ stehen die Kriege in der Ukraine
und in Gaza im Zentrum. Widersprüche zwischen pazifistischer
Grundhaltung und Selbstverteidigung führ(t)en vielerorts
zu Debatten, so auch in WILPF Austria. Dieses „right to
resist“ beinhaltet Gewaltlosigkeit als weiteres Mittel des
Kampfes, neben Solidarität auch Fürsorglichkeit, so eine belarussische
Aktivistin. Ambivalenzen zeigen sich mit Blick auf
die Geschlechterverhältnisse in der Ukraine, wo die Kriegslogik
eine konservative Genderpolarisierung mit dem männlichen
Kämpfer und Beschützer verstärkt, gleichzeitig befördern
die sichtbare (freiwillige) Beteiligung von Frauen am
Kampf sowie die EU-Beitrittsbestrebungen gleichstellungsorientierte
Fortschritte. Weiblicher Widerstand zeigt sich, wo
russische Frauen trotz massiver Repression dezentral und
kreativ Aktionen setzen und multiethnische Friedensinitiativen
wie Standing Together Vienna sowie Women Wage
Peace und Women of the Sun in Israel/Palästina die Hoffnung
auf eine friedliche Koexistenz aufrechterhalten.
„Anhaltende Bezüge“ rekurriert auf Konzepte feministischer
Friedens- und Konfliktforschung, verweist auf ökologische
Altlasten allein schon der Waffenproduktion und die
Verschränkung von Neoliberalismus, Militarisierung und
Männlichkeit sowie die Rolle von Medien in Krieg und Militarisierung.
Den Abschluss bilden Überlegungen zu sexueller
Gewalt als konstitutiver Teil geschlechtlicher, sozialer und
kolonialer Ungleichheit sowie zu Männlichkeit und Gewalt in
philosophischer Perspektive.
Den Herausgeberinnen ist ein wichtiges Buch gelungen,
das sich gut als Einstieg in den Themenkomplex und Ausgangspunkt
für Diskussion und weiterführende Beschäftigung
eignet.
Brigitte Geiger ist Medien- und Kommunikationswissenschafterin, Universitätslektorin und im Vorstand von STICHWORT.
|
|